Christine Bernhard - Winzerin mit Herz

Christine Bernhard baut auf dem Familienweingut Janson Bernhard im Zellertal westlich von Worms Wein nach bio-dynamischen Prinzipien an. Mit starcookers sprach sie über den Alltag im Weingut, das Klima und neue Pläne.

Was ist das besondere, was Ihren Wein auszeichnet?

Christine Bernhard: Wir arbeiten seit 20 Jahren nach den Richtlinien von ECO VIN, dem Bundesverband Ökologischer Weinbau. Es ist beglückend mitzuerleben, wie sich das Leben in den Weinbergen entwickelte und in jedem Jahr der Reigen andere Nuancen zeigt. Die Böden wurden lockerer, humoser. Die Tier- und Pflanzenwelt kam zurück. Die Reben sind nun ausgeglichen im Wuchs, die Trauben kleinbeeriger, lockerer und aromatischer. Ich meine, dass die Weine dadurch eine innere Harmonie ausstahlen, die Ihnen gemäß ist und die von Ihrer Lage, dem Jahr und unserem Zusammenspiel erzählen.

Der Weinbau ist eine eher männliche Domäne – woher kommt das? Hat man es als Frau schwerer?

Christine Bernhard:In früheren Jahrhunderten waren viele körperlich sehr anstrengende Arbeiten notwendig. Dabei übernahmen die Frauen traditionell viele „leichtere“  Handarbeiten wie zum Beispiel Mist tragen (!), ausbrechen, heften mit Weiden, Jungfelder hochziehen. Sie gingen dorfweise in die Lese. Die Männer schnitten im Winter die Reben, „zackerten“, zogen mit Ochs oder Pferd den Pflug,  kaarsteten ( hackten ), rodeten Weinberge, ( rissen alte Reben raus), übernahmen das Keltern und die Kellerarbeiten. Noch mein Vater war der Überzeugung, dass Frauen im Keller nichts zu suchen hatten, das würde der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, missfallen! Mit den heutigen technischen Möglichkeiten ist Weinbau keine Frage mehr der körperlichen Belastbarkeit, sondern eher des mentalen Zutrauens, der eigenen Perspektiven und der praktischen Organisation. Das können beide Geschlechter mehr oder weniger gut. Ich selbst bin sehr offen bei meinen Bio-Kollegen und Winzernachbarn aufgenommen worden.

In den letzten Jahren hat die Klimaveränderung den Weinbau vielerorts stark beeinträchtig. Sind auch bei Ihnen die Auswirkungen spürbar?

Christine Bernhard: Ich würde noch nicht von Klimaveränderung sprechen. Wir hatten die letzten Jahre einen sehr günstigen Witterungsverlauf. Die Trauben konnten voll und gesund ausreifen. Das war in den 80er Jahren und 90er Jahren nicht so durchgängig. Die aktuelle Klima-Phase erinnert eher an die 1920er Jahre.

Wie kamen Sie zum Wein?

Es lag in der Familie. Wir sind seit 1739 auf dem Weingut. Ich machte allerdings erst ein paar Umwege, um mich dann bewusst und aus freien Stücken dafür zu entscheiden.

Wie verläuft ein ganz normaler Arbeitstag einer Winzerin?

Christine Bernhard: Es ist weniger ein tagtäglicher Ablauf als vielmehr ein Wochenplan und jahrezeitlicher Rhythmus. Im Weinberg bestimmt das Wachstum der Reben, die Bodenpflege und das Wetter die aktuellen Arbeiten. Da braucht es immer einen Plan B für Unvorhergesehenes. Die Kellerarbeiten konzentrieren sich naturgemäß auf  den Herbst und Winter sowie die Fülltermine der Weine. Nur im Büro und Versand gibt es einen (fast) täglichen Ablauf. Ein fixer Punkt am Tag ist die Mittagszeit. Da kommen alle zum gemeinsamen Mittagsessen und tauschen sich aus. Gegen 18 Uhr wird es ruhiger, es sei den, eine Abend- oder Wochenendveranstaltung steht an.

Gibt es Vorzüge anderer Weinbauregionen, die Sie sich auch wünschen würden?

Christine Bernhard: Die Natur hat Weinbauregionen ja besonders reich beschenkt und die Winzer gehen eine besondere Symbiose mit dem ihm anvertrauten Stücken Erde ein. Ich bewundere Regionen wie die Mosel, deren Menschen in den extremen Steillagen noch viel stärker ringen müssen und deren Weine so einzigartige Geschichten erzählen können. Ob ich das leben könnte? &nbsp

Welche Pläne hat Ihr Weingut in der nächsten Zeit?

Christine Bernhard: Wir bauen im „KiwiHaus,“ einem alten Fachwerkhaus mit Kiwiwand, eine kleinen Weinladen aus und erweitern unsere Angebote aus selbstgemachten Kleinigkeiten aus der Gutsküche. Bei den Kulturveranstaltungen entstehen neue Reihen, wie zum Beispiel die Chorkonzerte oder das „WeinLesen“. Um die bio-dynamischen Präperate besser zu rühren, wollen wir ein Kupferfass mit Dach bauen.

Haben Sie einen Lieblingswein?

Christine Bernhard: Nein, dazu gibt es zu viele wunderbare Weine und Erinnerungen. 

Frau Bernhard, wir danken Ihnen für das Interview.

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